Bundeszüchtertagung

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Züchter tagten in Wenden

Wachtberg, 29.04.2019. Vom 5. bis 7. April 2019 fand die diesjährige D.I.B.-Züchtertagung auf Einladung des Landesverbandes Westfälischer und Lippischer Imker e.V. in Wenden, Ortsteil Brün (Siegerland) statt. Dr. Thomas Klüner, Vorsitzender des gastgebenden Landesverbandes, begrüßte die etwa 50 Teilnehmer. Frank Keller, Zuchtobmann in Westfalen-Lippe, gab anschließend einen kurzen Überblick über die Zuchtaktivitäten in seinem Verband. Im Namen des D.I.B.-Präsidenten Peter Maske überbrachte Olaf Lück die Grüße des Bundesverbades und stellte sich in seiner neuen Funktion als Geschäftsführer vor. D.I.B.-Zuchtbeirat Friedrich-Karl Tiesler ging bei seiner Begrüßung auf die Problematik des Internets ein, wo in verschiedenen Foren Züchter und die Zuchtarbeit in übelster Art und Weise diskreditiert werden. Weiter warnte er vor dem Bezug von Königinnen und Kunstschwärmen aus zweifelhaften Quellen.
Am Nachmittag des 5. April 2019 standen Themen rund um die beebreed-Datenbank auf der Tagesordnung. Dr. Andreas Hoppe, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf (LIB), stellte in vier Teilvorträgen Aktuelles und Zukünftiges der unter dem Dach von beebreed vereinigten Zuchtdatenpflege und Zuchtwertbestimmung vor. Zunächst ging es um die aktuelle Zuchtarbeit, die ein insgesamt sehr positives Bild abgibt, aber durch die konsequentere Anwendung der Zuchtrichtlinien (ZRL) verbessert werden könnte. Dies betrifft insbesondere die Planung ausreichend großer Prüfstände, regelmäßige Fremdprüfungen und durchgehende Körung der zur Nachzucht ausgewählten Königinnen.
Im zweiten Vortrag beschrieb Hoppe aktuelle und geplante Modellentwicklungen zur Zuchtwertbestimmung. Im Rahmen des einfachen und seit vielen Jahrzehnten bewährten Grundgerüstes der Zuchtwertberechnung nach Henderson ergeben sich viele Detailfragen, hauptsächlich wegen der komplizierten Fortpflanzungsbiologie der Honigbiene, der Schwierigkeit der Kontrolle der Anpaarung und dem komplexen Zusammenspiel der Arbeiterinnen mit der Königin.
Danach ging es um ganz praktische Aspekte der Bedienung der beebreed-Internetsseite, bei der es im letzten Jahr etliche neue Funktionen, Umstrukturierungen und Detailverbesserungen gab. So wurden Ländercode, Datenimport, Stockkarte und die neuen Eingabemöglichkeiten bei Sonderformen zu Besamung besprochen.
Abschließend wurden noch die geplanten Änderungen in beebreed besprochen. An zentraler Stelle steht die Weiterentwicklung der Züchtung auf Varroaresistenz, einschließlich der Zucht auf SMR (Supressed Mite Reproduktion), die durch ein Projekt des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) gefördert wird, sowie die Verbesserung der Nadeltests. Weiterhin wird es eine Warnampel für Krankheiten geben, die dem Züchter und insbesondere dem Obmann bei der Körung auf eine mögliche Disposition hinweisen.
Im Anschluss gab es eine lebhafte Diskussion um den D.I.B.-Züchterpreis, in der es darum ging, nur die Zuchtwerte einer einzelnen Königin oder einer ganzen Geschwistergruppe zu berücksichtigen. Bisher wurden nur die Ergebnisse eines Volkes für die Entscheidung herangezogen. Zukünftig soll die ganze Geschwistergruppe zugrunde gelegt werden. Die Bedingungen für die Vergabe des Preises wurden dementsprechend geändert. Für 2019 werden einmalig zwei Preise vergeben.
Der Preis für das beste Einzelvolk geht an:
Heinz Ziegler, 66663 Merzig, für seine Königin 2b.Nr.12-12-13/2017, Gesamtzuchtwert 141 %.
Der Preis für die beste Geschwistergruppe geht an:
Wolfgang Scheele, 34388 Trendelburg 4, für seine Königin 2b.Nr.7-146-69/2017, Gesamtzuchtwert 129 %, Durchschnitt der Geschwistergruppe 122,2 %, Streuung 5,2 %.
Die Preise sollen auf dem Deutschen Imkertag am 13. Oktober in Konstanz verliehen werden.
Am 6. April 2019 berichtete Dr. Marina Meixner, Bieneninstitut Kirchhain, über das im letzten Jahr abgeschlossene EU-Smartbees-Projekt. In dessen Rahmen wurde eine umfangreiche Sammlung von Bienen aller europäischen Herkünfte und deren Charakterisierung mit morphometrischen und genetischen Methoden vorgenommen. Dabei wurde eine gute Übereinstimmung mit den von Ruttner erfassten Daten festgestellt. Die nun eingerichtete und verfügbare Referenzdatenbank zur Differenzierung von Genotypen geht weit über die von Ruttner eingerichtete Sammlung hinaus. Ein im Zuge des Projektes entwickelter SNP-Chip, der eine zuverlässige Unterscheidung regionaler Populationen ermöglicht, wird voraussichtlich in absehbarer Zeit verfügbar sein. Zurzeit wird an der Validierung der Marker für bestimmte Resistenzmerkmale und der geschlechtsbestimmenden Allele gearbeitet, so dass der Chip auch als Selektionstool in der Zuchtpraxis angewendet werden könnte.
In ihrem zweiten Referat berichtete Dr. Meixner über die Eurbest-Studie. Die EU-Kommission ist an der Verbreitung resistenter Bienen als Strategie zur Senkung von Völkerverlusten und zur Verbesserung des Einkommens der Berufsimker interessiert. Die Kommission hat daher das Bieneninstitut in Kirchhain gemeinsam mit anderen Instituten mit der Ausarbeitung einer Studie (Eurbest) zur Existenz resistenter Linien und geeigneter Selektionsverfahren beauftragt. Diese wird umfangreiche Fallstudien unter Beteiligung von mehr als 100 Imkereibetrieben u. a. in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien und Polen einschließen. Die Ergebnisse sollen im April 2021 auf einer Fachkonferenz in Brüssel vorgestellt und mögliche politische Konsequenzen diskutiert werden.
Dr. Jakob Wegener, LIB, stellte den geplanten Aufbau eine Kryo-Reserve zum Erhalt der genetischen Vielfalt bei der Honigbiene vor. Die heute noch vorhandene genetische Vielfalt der Honigbiene, die durch Zucht wesentlich geprägt wurde, stellt einen Reichtum dar. Der
Verlust autochthoner Honigbienen-Populationen in vielen Teilen Europas nach Einschleppung der Varroamilbe zeigt beispielhaft, wie gefährdet diese Ressource ist. Gleichzeitig ist genetische Vielfalt die Voraussetzung dafür, züchterische Antworten auf gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen wie den Klimawandel und eingeschleppte Krankheitserreger und Parasiten zu finden. Daher fördert das BMEL nun die Einrichtung einer Sammlung eingefrorenen Drohnenspermas der heimischen bzw. in Deutschland seit langem erfolgreich gezüchteten Rassen Mellifera und Carnica. Eingelagert wird die Sammlung in der erst 2016 gegründeten „Deutschen Genbank für landwirtschaftliche Nutztiere“, deren Standort sich in Mariensee (Niedersachsen) befindet.
Im Anschluss konstituierte sich bereits auch ein Gremium, das die Auswahl der für die Sammlung zu beprobenden Bienen-Herkünfte durchführen soll und welchem Vertreter des D.I.B. sowie der Zuchtgemeinschaft Dunkle Bienen Deutschland angehören. Ziel ist, einerseits eine breite Abdeckung der vorhandenen Vielfalt zu sichern, andererseits besonders gefährdete Zuchtrichtungen zu berücksichtigen. In begrenztem Maß werden auch Carnica- und Mellifera-Herkünfte aus anderen europäischen Ländern hinzugezogen. Die fertige Sammlung bietet die Möglichkeit, einem drohenden Biodiversitätsverlust züchterisch besser zu begegnen.
An den Abenden gab es einen regen Erfahrungsaustausch zwischen den Zuchtobleuten und interessierten Züchtern. Neben den rein fachlichen Themen gab es noch ein umfangreiches Begleitprogramm.
Im Mittelpunkt der öffentlichen Vortragsveranstaltung vom 7. April 2019, zu der auch viele Züchter aus der Umgebung anreisten, standen zwei Vorträge des Bieneninstitutes Kirchhain. In ihrem Beitrag zum Erhalt der europäischen Honigbienen ging Dr. Meixner zunächst auf die Entstehung der verschiedenen Unterarten von Apis mellifera ein. Einige dieser Unterarten – wie die Sizilianische Biene und die Biene Maltas – existieren nur noch in sehr kleinen Populationen. Im Mittelpunkt des Smartbees-Projektes, an dem Institute verschiedener europäischer Länder beteiligt waren, standen eine Bestandsaufnahme und Perspektiven zum Erhalt der verschiedenen Unterarten von Apis mellifera. Da Bienen innerhalb der EU, ebenso wie andere landwirtschaftliche Nutztiere auch, keinen Handelsbeschränkungen unterliegen, besteht die Gefahr, dass durch den lebhaften Handel z. B. mit Kunstschwärmen, Ablegern und Königinnen und der damit verbundenen Hybridisierung einige Herkünfte mit wertvollen Eigenschaften verlorengehen. Durch Imker-Schulung und Aufbau organisierter Zuchtstrukturen wurde die züchterische Verbesserung der heimischen Bienen in vielen Ländern initiiert. Nur wenn die bisher wenig beachteten Rassen durch qualifizierte Zuchtarbeit verbessert werden und für die heimischen Imker attraktiv sind, kann ihr Bestand nachhaltig gesichert werden. Am Ende des Projektes gründete sich am 19. Oktober 2018 der internationale Zuchtverband „International Honey Bee Breeding Network“ (Foto).
Im Rahmen ihres Vortrages warnte Dr. Meixner auch vor Bienenimporten aus südlichen Ländern. Gerade im Frühjahr gelangen Tausende von Kunstschwärmen nach Deutschland. Dazu zeigte die Referentin ein erschreckendes Bild aus Italien, das etwa 50 auf dem Transport verbrauste Kunstschwärme zeigt, die einfach am Straßenrand entsorgt wurden.
Im Mittelpunkt des Vortrages von Dr. Ralph Büchler stand das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geförderte, über drei Jahre ausgelegte, FuE-Projekt zur Steigerung von SMR (Surpressed Mite Reproduction), das unter Beteiligung von D.I.B., Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht und Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker vom Bieneninstitut Kirchhain aus koordiniert und vom LIB begeleitet wird. Es hat sich gezeigt, dass sowohl Recapping (Öffnen und Wiederverschließen von Brutzellen) und SMR für die Widerstandsfähigkeit von Bienenvölkern gegenüber der Varroamilbe eine wesentliche Rolle spielen. Zunächst sollen von den Züchtern Mini-Plus-Völkchen mit Ein-Drohn-besamten Königinnen nach einer Startinfektion mit ca. 150 Milben auf Recapping und SMR untersucht werden. Die Ein-Drohn-Besamung ermöglicht dabei eine bessere Identifikation der dafür maßgebenden Erbanlagen. Es ist geplant, jährlich etwa 400 Völkchen (Carnica und Buckfast) zu prüfen und damit mehrere Linien aufzubauen, bei denen das SMR-Verhalten besonders ausgeprägt ist. In Gemeinschaftsaktionen sollen die zeitaufwändigen Brutuntersuchungen unter fachkundiger Leitung durchgeführt werden. Der D.I.B. hat dafür im Rahmen des FuE-Projektes die Mikroskope finanziert und wird die Arbeiten und Ergebnisse öffentlichkeitswirksam unterstützen.
Ein-Drohn-Besamungen stellen bei der Selektion nur einen Zwischenschritt dar. Nachzuchten aus geprüften Mini-Plus-Völkchen mit einem hohen Prozentsatz an SMR werden dann der normalen Leistungsprüfung unterzogen. Am Ende des Projektes sollen dann auch speziell ausgewählte SMR-Drohnenvölker auf Belegstellen aufgestellt werden, um den Zuchtfortschritt in die Landesbienenzucht zu übertragen.
Im Anschluss an die Vortragsveranstaltung trafen sich am Nachmittag die Vertreter der Regionalgruppen der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht und an dem SMR-Projekt interessierte Züchter, um Einzelheiten zur Auswahl der Zuchtvölker, Termine für Ein-Drohn-Besamungen, Aufbau von Prüfvölkern, Milbenbeschaffung für die Startinfektion und Ablauf der Auszählaktionen zu besprechen.
So war die diesjährige Züchtertagung wieder eine umfangreiche Arbeitstagung, von der die Züchter mit vielen Anregungen, aber auch Aufgaben für ihre künftige Zuchtarbeit abreisten. Der gastgebende Landesverband hat die Tagung sowie das Begleitprogramm hervorragend organisiert.
(Friedrich-Karl Tiesler, D.I.B.-Beirat für Zuchtwesen)

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